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Friedrich der Große. König zwischen Pflicht und Neigung

12. Juni – 5. September 2004
Schirmherrschaft: Christian Wulff, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen

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Er war gerade erst König geworden, da schreibt Friedrich II. von Preußen am 27. Juli 1740 in einem Brief an den französischen Philosophen Voltaire zu seinem neuen Tagesablauf: »Ich stehe um vier Uhr auf, trinke bis acht Uhr Pyrmonter Brunnen, schreiben bis 10 Uhr, lasse bis Mittag Regimenter exerzieren, schreibe bis fünf Uhr und erhole mich des Abends bei guter Gesellschaft«.

Der Hinweis auf den Pyrmonter Brunnen signalisiert nicht nur etwas vom Gesundheitszustand des Königs, sondern betont wie selbstverständlich, dass dieses Heilwasser aus dem renommierten Badeort etwas Alltägliches in der Hofhaltung Preußens darstellt. Seit dem Großen Kurfürsten ist Pyrmont ein vertrauter Begriff für diese Familie. Wichtiger aber ist, dass auch in dieser Briefpassage, die nicht nur an Voltaire, sondern an die Öffentlichkeit gerichtet war, deutlich wird, mit welch hoher Verantwortung und mit welchem Pflichtbewusstsein der König sein Amt antritt. Aber ebenso spürt der Leser, dass neben der Pflicht auch die »Erholung am Abend« von Bedeutung ist, legt Friedrich II. doch Wert darauf »bei guter Gesellschaft« seiner inneren Neigung nach Gesprächen über Kunst, Musik, Wissenschaft und Philosophie im Kreise seiner Vertrauten nachzukommen.

Ausgangspunkt für die Ausstellung, die eher die privaten Neigungen des Königs thematisiert, sind die Kuraufenthalte dieses preußischen Königs in Pyrmont. Friedrich II. (1712-1786) war 1744 vom 2. Mai bis zum 9. Juni und im Jahre 1746 vom 17. Mai bis zum 8. Juni Badegast in Pyrmont.

Friedrich der Große begab sich in die Obhut des hochangesehenen Pyrmonter Brunnenarztes Dr. Johann Philipp Seip (1686 - 1757), der seit 1733 Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin war. Bei beiden Aufenthalten wohnte der König relativ zurückgezogen im »Gartenhaus« des sog. Orthgies‘schen Hauses in der Brunnenstraße. Waren auf der ersten Reise etwa 40 Personen – enge Vertraute, Beamte und Bedienstete in Begleitung des jungen, gerade erst 32-jährigen Königs, so zählte die Delegation der zweiten Reise über 100 Personen. Besonders informativ sind äußerst interessante »Spitzelberichte« der hannoverschen Regierung, die auf Anweisung der Londoner Regierung täglich von zwei Beamten Tag für Tag verfasst wurden.

Zu den mitgereisten Freunden und hohen Beamten des Königs gehören eine Reihe hochrangiger enger Vertrauter. So sind für die Jahre 1744 und 1746 folgende Namen zu nennen: Prinz Heinrich von Preußen (1726-1802), der Bruder des Königs, die beiden Kabinetts-Räte August Friedrich Eichel und Müller, der Kriegszahlmeister Köppen, die ranghohen Militärs Friedrich Rudolf Graf von Rothenburg (1711-1751), der Generalfeldmarschall Herzog von Holstein-Beck, General von Borck, der Generalmajor von der Goltz, die Obristen von Meyerring, von Ingersleben, der Leibmedicus Hofrat Lesser sowie die engen Freunde Charles Etienne Jordan (1700-1745), Dietrich Freiherr von Kayserlingk (1698-1745), Heinrich August Baron de la Motte Fouqué (1689-1774), Claude Etienne d‘ Arget (1712-1779), Samuel Freiherr von Cocceji (1679-1755), Michael Gabriel Fredersdorf (1708-1758), Graf Gustav Adolf von Gotter, Jean Baptiste de Boyer sowie die Musiker Johann Joachim Quantz (1692-1762) unddrei Mitglieder der Familie Benda, u. a. Franz Benda (1709-1786).

Vor diesem auf Pyrmont bezogenen Hintergrund entfaltet sich nun in den darüber liegenden Prunkräumen der Beletage von Schloss Pyrmont das Lebensbild Friedrichs des Großen. Ein Raum ist der Familie gewidmet, der »Erziehung zum Regenten« und seinem Erscheinungsbild anhand berühmter Gemälde. Natürlich spielt die enge Beziehung zu seiner Lieblingsschwester Wilhelmine eine Rolle, aber auch die überaus strenge Erziehung seines Vaters wird thematisiert. Um so wichtiger sind seine engen Freunde. Schon in Rheinsberg spürt man seine Leidenschaft für alle Künste, eine Leidenschaft, die sich in den ersten Jahren nach dem Bau von Sanssouci bei Potsdam fortsetzt. Der Tischbeinsaal stellt diesen Freundeskreis in den Mittelpunkt. Allein die hochbedeutende Büste von Voltaire, geschaffen von Houdon im Jahre 1778, dominiert diesen Raum.

Verbunden sind beide Räume durch ein kleines Kabinett, das Friedrichs Liebe zur Musik vorstellt. Eine neuaufgelegte CD veröffentlicht erstmals noch unbekannte Kompositionen Friedrichs des Großen. Im eigentlichen Festsaal von Schloss Pyrmont sind hochrangige Exponate versammelt, die Einblicke in sein privates, aber auch sein öffentliches Leben vermitteln. Hervorzuheben sind kostbare Gläser aus dem Besitz Friedrichs, Porzellangefäße der Hofhaltungen in Berlin, Potsdam und Breslau von der KPM-Manufaktur und aus Meissen, Silbergeschirr, Tabakdosen und Tabatieren sowie handschriftliche Zeugnisse seiner regen Korrespondenz.

Ein weiterer Raum stellt Friedrich als Bauherren vor und präsentiert nicht nur Skizzen seiner Hand, sondern auch Bilder seiner »Baukunst«. Was liegt näher als sich in Pyrmont auch mit dem Gesundheitszustand des Königs zu beschäftigen. So wird im darauffolgenden Raum ausführlicher über Friedrichs Krankheiten und zahlreichen Ärzte berichtet.

In der 3. Etage von Schloss Pyrmont wird das Nachleben unter dem Titel »Friedrich der Große und die Nachwelt«, wird der Mythos des preußischen Königs gewürdigt. Selbst hier ist schnell erkennbar, dass für alle späteren Generationen von Malern und Bildhauern etc. seine Doppelnatur »Zwischen Pflicht und Neigung« thematisiert wird.

Die Ausstellung wird gefördert vom Land Niedersachsen, Stiftung Niedersachsen, Museumsverein im Schloss Pyrmont e.V., Stadtsparkasse Bad Pyrmont, Landschaftsverband Hameln-Pyrmont e.V., VGH, Lionsclub Bad Pyrmont, Bad Pyrmont Tourismus GmbH, Bad Pyrmonter Mineral- und Heilquellen GmbH, Steigenberger Bad Pyrmont.

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Informationen zur Ausstellung:

Zur Ausstellung wird im Rahmen der Monumente-Publikationen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ein Aufsatzband (17,40 €) erscheinen, in dem die Thematik der Ausstellung aufgearbeitet wird. Autoren sind u. a. Rainer Falk, Dr. Hermann Engel, Prof. Dr. Hans-Joachim Giersberg, Titus Malms, Arndt Jubal Mehring, Dr. Martina Weinland und Prof. Dr. Jürgen Ziechmann.